„Es war einmal“… diese Worte haben unsere Kindheit geprägt. Märchen wie Schneewittchen, Dornröschen und Aschenputtel sind einigen von uns bekannt, weshalb wir uns während der Wissenschaftswoche mit diesen und ihrem Wandel im Laufe der Zeit befasst haben.
Zu Beginn stellten wir uns die Frage, was Märchen überhaupt sind und woher sie stammen: Märchen sind fantasievolle Prosaerzählungen mit wundersamen Begebenheiten, welche weder an eine bestimmte Zeit noch einen bestimmten Ort gebunden sind und oft mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Sie stammen aus der Urform des Erzählens und sind daher in allen Kulturen und Zeiten vorhanden. Außerdem vermitteln sie universelle menschliche Probleme und daraufhin Lösungen.
Der Ursprung von Märchen ist sehr umstritten, weshalb verschiedene Theorien existieren. Laut Jacob und Wilhelm Grimm sind Märchen Zeugnisse urgermanischer oder indogermanischer Kultur. Des Weiteren sind Märchen über Länder und Jahrhunderte gewandert und das Ziel der Brüder war es schon immer, Märchen so echt und schlicht wie möglich zu erhalten. Ihre Sammlung begann im engen Kreis und dauerte über sechs Jahre. Die erste Ausgabe ihrer „Kinder- und Hausmärchen“ wurde im Jahr 1812 kurz vor Weinachten veröffentlicht. Kurze Zeit später, im Jahr 1815, erschien die zweite Auflage mit Hilfe weiterer Personen in der Sammlung. Zu Beginn unterschieden die Brüder nicht wirklich zwischen Märchen und Sagen. Jedoch sind Sagen, im Gegensatz zu poetischen und weltbekannten Märchen, historisch eher einzuordnen und ortsgebunden. Mit ihrer Arbeit wollten sie vorhandene Märchen schützen und vor weiterem Verlust bewahren.
Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Volksmärchen und Kunstmärchen, welche sich erst in der Romantik entwickelten. Volksmärchen entstanden aber schon viel früher, vielleicht schon in der Steinzeit, sicher aber spätestens im späten Mittelalter. Im Jahr 1782 publizierte Karl Augustus Musäus die erste Sammlung von deutschen Volksmärchen. Im Gegensatz zu dieser traditionellen Märchengattung werden Kunstmärchen nicht mündlich überliefert und individuelle Produkte ihrer Autorinnen oder Autoren. Diese sehr poetischen und philosophischen Geschichten stammen zum Beispiel von Novalis, Tieck oder Goethe.
Märchen sind oftmals nach einem bestimmten Schema aufgebaut. Der grundsätzliche Kerngedanke im klassischen Märchen ist ein Kampf gegen das Böse und ein darauffolgenden Sieg. Märchen beginnen häufig mit einer Mangelsituation, welche durch die Reise des Helden gelöst werden soll. Daraufhin folgt ein Sieg und eine Belohnung für den Protagonisten und eine gerechte Strafe für den Bösen. Schließlich kommt es zu Szenarien wie die Rettung der Prinzessin, dem Brechen von Flüchen und der Vernichtung des Bösen. Somit erhalten die Guten ihr Happy End.
Doch wie änderten sich Märchen nun im Laufe der Zeit? Wir stellten fest, dass frühere Märchen oft düsterer und grausamer waren und diese, um kindergerechter zu sein, häufig entschärft wurden. Daher wurden in späteren Versionen der Grimm’schen Märchen viele Gewaltdarstellungen abgemildert. In der Disney Version von Hänsel und Gretel, zum Beispiel, verlaufen sich die Kinder im Wald. Im Original jedoch wurden sie von ihren Eltern, aufgrund der fehlenden Nahrung, ausgesetzt. In Schneewittchen muss die böse Königin in der Version von den Gebrüdern Grimm in glühenden Pantoffeln tanzen, bis sie schließlich stirbt. Im Disneyfilm wird sie von den Zwergen an den Rand einer Klippe gejagt und fällt dann, aufgrund eines Blitzeinschlags, vom der Klippe. Zusätzlich spiegeln Märchen die Werte und Normen ihrer Zeit wider. So sind ältere Märchen von patriarchalen Strukturen geprägt, während moderne Adaptionen stärkere weibliche Hauptfiguren und emanzipatorische Botschaften erhalten, zum Beispiel: eigenständige, selbstständige und unabhängige Disney Prinzessinnen, wie Mulan, Vaiana und Elsa. Früher dienten Märchen als Warnung oder moralische Lehre wie beispielsweise Rotkäppchen, als Warnung vor Fremden. Heute haben sie auch einen pädagogischen Nutzen, zur Förderung von Kreativität und Sprachentwicklung.
Bleiben sie gespannt, denn in dem fortsetzenden Artikel finden sie eine KI-geschriebene Neuerzählung des Märchens Pinnochio.
Wer sich mehr für die Geschichte Walt Disney‘s interessiert, kann sich hier informieren.